Ich habe Anfang dieses Jahres angefangen mich als non-binary-Mensch zu outen. Dazu gehört(e) es, Menschen, die ich teilweise seit Jahren oder sogar Jahrzehnten kenne, zu sagen, dass ich jetzt einen neuen Namen und ein neues, eher unkonventionelles Pronomen habe. Aber auch dazu gehört, dass ich mich jetzt selbst viel mehr mit diesem Namen und Pronomen "sehe", dass ich diese in meinem Kopfkino verwende und auch, dass es mir extrem auffällt (und aufstößt), wenn diese, ob aus Unwissenheit oder Vergessen, nicht verwendet werden.
Letzte Woche habe ich einen dieser standardmäßigen "Wir haben einen Vermittlungsvorschlag für Sie"-Briefe der Arge geöffnet und darin war der Name meines Ausbilders zu lesen. Ich habe mich riesig gefreut, ich bin mit diesem Menschen immer toll klar gekommen und habe sehr gern mit ihm zusammen gearbeitet. Wir kennen uns seit fast neun Jahren. Und ich habe mich beworben.
Aber er kennt mich als "Frau". Ja, ich habe mich in all dieser Zeit schon stark mit "Geschlecht" und meiner Zugehörigkeit in diesem System beschäftigt. Und ja, ich weiß auch nicht erst seit gestern, dass ich in dieses System nicht herein passe. Aber, dass ich meine Identität nach außen tragen möchte (und auch muss!) ist relativ neu für mich.
Und jetzt stehe ich da. Im Privaten frisch geoutet und unglaublich glücklich damit. Aber arbeitslos und kaum in der Lage mir etwas zu essen zu kaufen. Dann kommt der Traumjob einfach so um die Ecke und ich habe ihn tatsächlich bekommen. Doch es bleibt ein sehr unangenehmer Beigeschmack.
Mein Chef ist "nur" Geschäftsleiter eines Teils einer viel größeren Firma und gestern fand das Vorstellungsgespräch mit einem der anderen Chefs statt. Schlimm genug, dass ich von meinem alten Ausbilder und Freund unwissentlich ständig ge-misgendered werde, dieser brachte so nette Sprüche wie "Wir wollen unbedingt mehr Frauen in der IT haben!" und (auf meine Aussage, dass ich kein Problem damit habe, dass das Büro in einer Garage ist, solange es eine Heizung gibt) "Frauen frieren nunmal schneller!"
Mal abgesehen davon, dass weder technisches Verständnis noch die Tendenz zu frieren irgend etwas mit dem zugeordnetem Geschlecht zu tun haben, fühlte ich mich absolut nicht wohl dabei, ständig über den "Frau"-Kamm geschoren zu werden.
Und ich habe große Angst davor, dass das meine Zukunft sein wird.
Ich bewege mich seit einiger Zeit fast ausschließlich in der "Szene", ich habe endlich den Mut gefasst mich zu outen und jetzt soll das alles wieder zunichte gemacht werden?
Erst am Wochenende war ich mit einer größeren Gruppe Cisheten zusammen und habe mich dort dermaßen unwohl gefühlt, dass ich in nächster Zukunft erst mal nichts mehr mit ihnen unternehmen möchte. Und jetzt soll ich das jeden Tag haben, mindestens acht Stunden lang? Werde ich jeden Abend nachhause kommen und mich als nicht wahrgenommen fühlen?
Ich bin wirklich, wirklich dankbar über dieses Jobangebot, über diese Chance raus zu kommen aus Armut und Veschuldung und den halben Monat nur Kartoffeln und Kohl essen zu können. Aber welchen Preis muss ich dafür zahlen?
Letzte Woche habe ich einen dieser standardmäßigen "Wir haben einen Vermittlungsvorschlag für Sie"-Briefe der Arge geöffnet und darin war der Name meines Ausbilders zu lesen. Ich habe mich riesig gefreut, ich bin mit diesem Menschen immer toll klar gekommen und habe sehr gern mit ihm zusammen gearbeitet. Wir kennen uns seit fast neun Jahren. Und ich habe mich beworben.
Aber er kennt mich als "Frau". Ja, ich habe mich in all dieser Zeit schon stark mit "Geschlecht" und meiner Zugehörigkeit in diesem System beschäftigt. Und ja, ich weiß auch nicht erst seit gestern, dass ich in dieses System nicht herein passe. Aber, dass ich meine Identität nach außen tragen möchte (und auch muss!) ist relativ neu für mich.
Und jetzt stehe ich da. Im Privaten frisch geoutet und unglaublich glücklich damit. Aber arbeitslos und kaum in der Lage mir etwas zu essen zu kaufen. Dann kommt der Traumjob einfach so um die Ecke und ich habe ihn tatsächlich bekommen. Doch es bleibt ein sehr unangenehmer Beigeschmack.
Mein Chef ist "nur" Geschäftsleiter eines Teils einer viel größeren Firma und gestern fand das Vorstellungsgespräch mit einem der anderen Chefs statt. Schlimm genug, dass ich von meinem alten Ausbilder und Freund unwissentlich ständig ge-misgendered werde, dieser brachte so nette Sprüche wie "Wir wollen unbedingt mehr Frauen in der IT haben!" und (auf meine Aussage, dass ich kein Problem damit habe, dass das Büro in einer Garage ist, solange es eine Heizung gibt) "Frauen frieren nunmal schneller!"
Mal abgesehen davon, dass weder technisches Verständnis noch die Tendenz zu frieren irgend etwas mit dem zugeordnetem Geschlecht zu tun haben, fühlte ich mich absolut nicht wohl dabei, ständig über den "Frau"-Kamm geschoren zu werden.
Und ich habe große Angst davor, dass das meine Zukunft sein wird.
Ich bewege mich seit einiger Zeit fast ausschließlich in der "Szene", ich habe endlich den Mut gefasst mich zu outen und jetzt soll das alles wieder zunichte gemacht werden?
Erst am Wochenende war ich mit einer größeren Gruppe Cisheten zusammen und habe mich dort dermaßen unwohl gefühlt, dass ich in nächster Zukunft erst mal nichts mehr mit ihnen unternehmen möchte. Und jetzt soll ich das jeden Tag haben, mindestens acht Stunden lang? Werde ich jeden Abend nachhause kommen und mich als nicht wahrgenommen fühlen?
Ich bin wirklich, wirklich dankbar über dieses Jobangebot, über diese Chance raus zu kommen aus Armut und Veschuldung und den halben Monat nur Kartoffeln und Kohl essen zu können. Aber welchen Preis muss ich dafür zahlen?
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